Mediation

Bei der konstruktiven Lösung von Konfliktsituationen bietet ein Mediationsverfahren einen Rahmen, der weit über die Möglichkeiten eines Gerichtsverfahrens hinausgehen kann. Dies gilt sowohl für die Lösungsmethode als auch für den Lösungsrahmen. Der Ansatz mediativer Tätigkeit wird durch das bekannte Beispiel eines „Streites um die Orange“ verdeutlicht:

Zwei Kinder, Erik und Ute, haben eine Orange geschenkt bekommen. Sie streiten sich darum, wer von beiden die Orange behalten darf. Die Entscheidung, soll die Mutter treffen. Wie soll sie entscheiden?

Die Mutter hat folgende offensichtliche Optionen:

1. Sie kann die Orange einem der Kinder, Erik oder Ute geben. Da beide Kinder die Orange geschenkt bekommen haben, haben beide Kinder ein „Anrecht“ auf die Frucht. Mit ihrer Entscheidung zugunsten eines Kindes wird die Mutter wenigstens ein Kind glücklich machen. Das andere Kind geht leer aus.

Die Akzeptanz dieses Verfahrens für den „Verlierer“ sicherzustellen, ist für die Mutter sicher schwierig. Im Regelfall entscheidet sie autoritär. Auch wenn die Mutter ein Losverfahren durchführt, bei dem beide Kinder die gleiche Chance haben, erscheint das Endergebnis zumindest für den „Verlierer“ oftmals willkürlich und ungerecht.

Diese Problemstellung findet sich vielfach bei Gerichtsverfahren, in denen allein die Beweislast über das Obsiegen oder das Verlieren „entscheidet“.

Als Alternative schneidet die Mutter die Frucht durch. Die Orange wird nach einer Quote, hälftig oder in anderer Weise unter den Geschwistern geteilt. Dabei können die Kinder auch nach Mit einem solchen Kompromiss können bestenfalls beide Kinder glücklich, ein Kind glücklich, eines unglücklich oder schlimmstenfalls beide Kinder unglücklich sein. Die Mutter wird bei ihrer Entscheidung dies jedoch anhand der ihr zur Verfügung stehenden Informationen nicht wissen können.

Dieser Lösungsansatz wird häufig im Rahmen eines gerichtlichen oder außergerichtlichen Vergleiches verfolgt.

Würde die Mutter jedoch jedes Kind fragen, aus welchem Grund es die Orange benötigt, könnte, sie von Erik erfahren, dass er sich aus der Orange einen Saft pressen möchte. Ute benötigt die Schale, weil sie einen Geburtstagskuchen backen will. Durch die Berücksichtigung der hinter der Position stehenden Interessen ist es möglich, Erik das Fruchtfleisch zu überlassen, und Ute die Orangenschale. Es entsteht eine Win-Win-Situation für beide Kinder.

Eine solche „Mediation“ hat natürlich Grenzen, etwa, wenn beide Kinder Saft begehren oder die Schale für einen Kuchen benötigen.

In Fällen sich ergänzender und gleichgerichteter Interessen werden die Lösungsräume in den engen Grenzen eines rein rechtlich orientierten Verfahrens zumeist nicht ausreichend ausgeschöpft.

Ein Mediationsverfahren kann den Lösungsrahmen jedoch in geeigneten Problemstellungen erheblich erweitern. Sie eignet es sich oftmals in Konfliktsituationen, in denen die beteiligten Parteien eine gemeinsame Lösung anstreben, etwa im familiären Bereich, im Arbeitsumfeld oder unter Gesellschaftern.